Sie haben das Ziel erreicht. Das Ziel liegt rechts“, sagt die freundliche Damenstimme des Navigationsgeräts. Am Ortsrand der Gemeinde Suhr im Schweizer Kanton Aargau befindet sich das Werkstatt- und Bürogebäude der Fasler AG. Der im Handwerk tief verwurzelte Spengler-Fachbetrieb ist einer von zahlreichen Arbeitgebern des regionalen Dienstleistungsgewerbes. Mit über 5200 Arbeitsplätzen* ist Suhr ein bedeutender Wirtschaftsstandort. Hier befinden sich eine namhafte Möbelhandelskette, eine Großmolkerei, Verteil- und Logistikzentren sowie zahlreiche Handwerksbetriebe. Zunächst habe ich Mühe, den passenden Eingang zu finden, denn das Firmengebäude hat gleich mehrere Zugänge. Instinktiv stoße ich eine schwere Stahltüre auf und stehe mittendrin: Es riecht nach Metall. Hier bin ich richtig.
Ein freundlicher Mitarbeiter meldet mich an. Kurz darauf begrüßt mich ein alter Bekannter – René Fasler. Der Spenglermeister ist wie immer überaus herzlich. Er fordert mich auf, seinen Fachbetrieb zu erkunden, und führt mich zunächst in die Vergangenheit des 1971 gegründeten Unternehmens. Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, sich nun fragen, wo eine Reise ins Gestern am besten gelingen kann, habe ich eine überraschende Antwort für Sie: auf dem Dachboden. So wie Kinder gerne in Großmutters Kisten stöbern und sich mit uralten Jacken verkleiden, um fremde Welten zu erkunden, zeigt mir Fasler den Ursprung seiner Spenglerwelt. „Der Start in die Moderne erfolgte hier oben“, sagt Fasler und deutet auf zahlreiche Rauchrohre aus Edelstahl. Zubehörteile wie Standfüße oder T-Stücke sind ebenso zu sehen wie bis zu 6 m lange doppelwandige Edelstahlrohre für Außenschornsteine. „Mein Vater hat dieses Geschäftsfeld vor über 30 Jahren zusätzlich zur klassischen Spenglerei aufgebaut. Besonders stolz war er auf den Lastenaufzug, in dem 6 m lange Rohre und anderes Zubehör über zwei Etagen befördert werden können. Das war über viele Jahre ein sehr lukrativer Geschäftsbereich“, sagt Fasler und fügt an: „Heute ist vieles anders. Die Energiewende verdrängt klassische Festbrennöfen. Für uns bedeutet das … “
Zeit für was Neues
Ein zweiflügliges Tor öffnet sich. Der Schritt über die Schwelle ist wie das Betreten einer anderen Welt. Ich staune. Entdecke eine Twinmatic-Langabkantmaschine von Jorns. Eine Abkantpresse. Eine Biegezelle samt Roboter. Eine Laserschneidanlage von Trumpf. Das sitzt. René beobachtet mich genau. Als ob er Gedanken lesen könnte, sagt er: „Es war höchste Zeit, auf den Markt zu reagieren. Wenn das Kamingeschäft nachlässt, brauchst du eben etwas anderes.“ Heute ist sein Unternehmen auf die Herstellung und Lieferung von Einzelteilen und Baugruppen aus Metall spezialisiert. Entsprechende Blechbauteile werden in 3D geplant und visualisiert. Moderne Programme übernehmen Kundendaten und wandeln diese mit minimalem Konstruktionsaufwand in Produktionsdaten um. In der Werkstatt erfolgt dann die Bearbeitung, wobei folgende Techniken einen Großteil des Fasler-Portfolios abbilden:
Plötzlich verstehe ich den Satz „Profitieren Sie von unserer Erfahrung und lassen Sie sich von den Möglichkeiten der Blechbearbeitung überraschen“ sehr viel besser. Nachzulesen ist er auf der Internetseite des Unternehmens. René Fasler und sein Team sind zu Recht sehr stolz auf die erbrachte Leistung und darauf, sich natürlich auch mit klassischer Spenglertechnik bestens auszukennen.
Nicht wegzudenken
Der Bau von Kaminanlagen gehört noch immer zum Geschäftsmodell der Fasler AG – übrigens ebenso wie das Eindecken von Metalldächern mit Doppelstehfalzscharen oder das Bekleiden von Fassaden mit Aluminium, Kupfer oder Titanzink. Die Spengler des Unternehmens sind entsprechend erfahren. „Edelstahlschornsteine werden wir montieren, solange unsere Kunden danach fragen“, sagt Fasler. „Und auch die Arbeit rund um Metalldächer und -fassaden lassen wir uns nicht nehmen. Dass unsere moderne Werkstattausstattung dazu beiträgt, unser Spenglerleben etwas komfortabler zu gestalten, ist ja nicht unbedingt negativ“, ergänzt Fasler und grinst verschmitzt.
Zurück in die Zukunft
Ich steige ein. Aktiviere die Heimatadresse in der Navigation und fahre los. Auf der Fahrt verarbeite ich das Gesehene – denke an Traditionen und daran, dass handwerkliche Blechbearbeitung mit der Falzzange erfolgen kann. Das macht Spaß. Natürlich! Und es verlangt durchaus handwerkliches Geschick. Der unternehmerische Mut, alte Traditionen mit zukunftsweisenden Techniken weiterzuentwickeln, um dadurch neue Kundengruppen zu erschließen, ist beachtenswert und verdient meinen größten Respekt. René Fasler und sein Team beweisen, dass sich Innovation und Tradition perfekt ergänzen können. Das wiederum macht mir Mut und es macht Lust auf Zukunft. Der Blick in die Fasler AG hat gezeigt, wie viele Chancen es in unserer Berufsgruppe gibt und dass wir noch lange nicht am Ziel des Machbaren sind. „Sie haben das Ziel erreicht“, sagt die freundliche Damenstimme des Navigationsgeräts. Ist das wirklich schon so? 

Bild: BAUMETALL

Bild: Fasler AG

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Bild: Fasler AG

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Turmdekoration für das Dach eines Tempels
Info
René Fasler ist …
... begeistert von der Idee, Gleichgesinnte zusammenzubringen. Er sagt: „Voller Stolz bin ich Präsident des Vereins diplomierter Spenglermeister der Schweiz (VDSS). Für mich der Verein mit den besten Mitgliedern.“
Hobby: René Fasler liebt Ausfahrten mit der Vespa, die er sich jedoch baujahrbedingt mit häufigeren Reparaturarbeiten verdienen muss.
Musik: Lässt sich am liebsten vom Radioprogramm inspirieren.
Kulinarik: Als Schweizer genießt Fasler selbstverständlich Käse in jeder Form und Zubereitungsart, obwohl er auch bei Schokolade schlecht Nein sagen kann.
Internet: www.fasler-ag.ch

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