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Klappern gehört zum Klempnerhandwerk

Im Februar 2025 fanden sich rund 130 Teilnehmer im Kurhaus in Titisee zum 28. Klempnertreff ein. Geboten wurde, wie gewohnt, ein infor­matives Spektrum an Vorträgen, begleitet von zahlreichen Ausstellern und der Möglichkeit, sich unter Kollegen auszutauschen. Der Vorsit­zende des Fachverbandes Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg (­FV SHK BW) Stefan Menrath begrüßte die Teilnehmer und stellte dabei die neue, einheitliche Ausbildungsberufsbezeichnung „Metalldach- und Fassadengestalter“ vor. Aktuell wird die Bestätigung durch das Wirtschaftsministerium erwartet. Gleichzeitig verband Menrath damit einen Aufruf an alle Betriebe, mehr Nachwuchs auszubilden, und er forderte die Betriebe auf, die Montage von Solar- sowie Photovoltaikanlagen auf Metalldächern als Fachbetrieb selbst vorzunehmen sowie die Ausbildung zum PV-Manager durch den Fachverband anzunehmen.

Thomas Huber vom FV SHK BW übernahm anschließend die Vorstellung des technischen Ausschusses und der Fachgruppe. Seit zehn Jahren besteht das Klempner-Konzept im Fachverband, vertreten durch die Gremien der Landesfachgruppe Klempner mit Mitgliedern der Innungen und dem technischen Ausschuss Klempnertechnik mit gewählten Mitgliedern. Verschiedene Highlights wie die Klempnerfachregeln, technische Merkblätter, die Landesfachklasse Ulm oder die Umbenennung des Handwerks konnten die Wichtigkeit dieser Arbeit veranschaulichen. Sogleich wurde auch an interessierte Klempner appelliert, sich im Fachverband bzw. den Innungen aktiv zu beteiligen.

Referate und Kurznachrichten

Über Vollkostenkalkulation und Baustellenorganisation referierte Hubert Verständig von der shk-aktiv² Unternehmensberatung GbR. Der Redner legte leicht verständlich dar, wie sich die kalkulatorischen Kosten ohne Berücksichtigung des Betriebswertes schnell verzehrend und damit firmenwertmindernd auswirken. Die Berechnung von Preisuntergrenzen thematisierte er ebenso wie die Unterschiede in der Kalkulation mit und ohne Materialeinsatz. Hilfreich hierbei: das firmeneigene Vollkostenkalkulationstool in Excel. Die Bedeutung von Baustellenorganisation und organisierter Auftragsabwicklung wurde anhand zahlreicher einprägsamer Beispiele, Anregungen sowie bewährter Lösungsvorschläge verdeutlicht.

Anschließend veranschaulichte Lisa Brunner vom FSHK die Wichtigkeit sozialer Medien im Klempnerhandwerk. Dabei gelang ihr der Spagat, die Inhalte für Medieneinsteiger sowie für Fortgeschrittene verständlich und anschaulich vorzutragen. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der Darstellung des Betriebes, sondern auch auf der Kundenakquise sowie der Gewinnung neuer Mitarbeiter und Auszubildender. Brunner rundete ihren Vortrag mit einer Auflistung einzelner Schritte sowie Hinweisen zum Wo, Was, Wer und Wie ab. Außerdem wies sie auf das Unterstützungsangebot des FV SHK BW hin.

Ein weiterer Fachvortrag war dem Thema „Rechtssicher im Handwerk: Gewährleistungsrechte nach BGB oder VOB/B“ gewidmet. Matthias Scheible (Referatsleiter Recht, FV SHK BW) zeigte vertragliche Beziehungen und verschiedene Rechtsgebiete auf. Dabei beleuchtete er sämtliche Schnittstellen zu anderen Gewerken oder Lieferanten. Scheible stellte ferner die Wichtigkeit von Kostenvoranschlag, Vertrag, Abnahme und Gewährleistung sowie entsprechender Fristen und der Beweisführung in den Mittelpunkt. Harry Luick vom Institut Baukunst Reutlingen erörterte Problematik und Schnittstellenlösungen bei Anschlüssen von Metall an Putz und Wärmedämmverbundsystemen. Dabei stellte er die zweite Auflage der bereits seit sechs Jahren verfügbaren gewerkeübergreifenden Richtlinie vor.

Peter Stelzer sprang kurzfristig für einen erkrankten Referenten ein und beleuchtete anhand verschiedener Fallbeispiele aus seiner Sachverständigentätigkeit die Bedeutung fachgerechter Montagen von Solar- und Photovoltaikanlagen auf Metalldächern. Hierbei waren vor allem starre Gitter ohne Dehnungsausgleich, scharfkantige Klemmen, zu viel Windlast sowie Wasserrückstau durch Rohre und Leitungen im Fokus. Ergänzend dazu gab Stelzer einen Einblick in die Mediationsarbeit eines Sachverständigen zwischen Handwerker und Bauherr. Besonders interessant waren durch Holzunterkonstruktionen sowie Delamination verursachte Problemstellungen (s. auch BAUMETALL-Fachbeitragsreihe und BAUMETALL Online-Fokusausgabe). Abschließend beeindruckte Josef Wey mit der Vorstellung seines in der Schweiz ansässigen Fachbetriebs. Wey informierte über den Auf- und Ausbau sowie über zahlreiche Details seiner Arbeit am Hotel Kempinski Palace Engelberg. Für das Projekt wurde Wey die Auszeichnung Goldene Spenglerarbeit 2024 verliehen (BAUMETALL berichtete in den Ausgaben 3 und 4/2024). Das in BAUMETALL-Ausgabe 6/2024 veröffentlichte Betriebsporträt über den Fachbetrieb Wey ist online frei abrufbar unter: https://www.baumetall.de/betrieb/versteckte-zukunftswerkstatt-verborgen….

Zum Tagungsprogramm gehörten zahlreiche Newsflash-Kurzvorträge. U. a. informierten Vertreter der Firmen Alwitra, Aperam (Uginox), Enke-Werk, Grömo, Kalzip, M.A.S.C. Vöhringen, RIMEX Metals und Roofinox über Weiterentwicklungen und Neuerungen.

Podiumsdiskussion

Ein erstmals in diesem Format durchgeführter Programmpunkt war die von FV-SHK-BW-Fachgruppenleiter Robert Smejkal moderierte Podiumsdiskussion zur Zukunft des Klempnerhandwerks. Teilnehmer waren Laura Kornhaaß (Klempnermeisterin u. BAUMETALL-Onlineredakteurin), Stefan Menrath (Vorstandsvorsitzender FV SHK BW), Peter Drews (Studienrat Metallbautechnik und Sport, Robert-Bosch-Schule Ulm) und Berthold Ruck (Technischer Leiter Prefa GmbH). Im Zentrum der Diskussion stand die Zufriedenheit der Auszubildenden. Laura Kornhaaß verwies dabei auf den per BAUMETALL-Leserumfrage ermittelten Zufriedenheitswert von 65 %. Anregungen, die Jugendlichen mehr im selbstständigen Denken und Arbeiten zu fördern und die Verknüpfung von Theorie und Praxis auch mehr in den Betrieben umzusetzen, gab Peter Drews. Er forderte zudem zur besseren Rückmeldung der Betriebe an die Berufsschule auf. Berthold Ruck berichtete vom 2013 gegründeten Arbeitskreis Ausbildung, dessen Aufgaben, Errungenschaften und Möglichkeiten, bereits in Schulen das Interesse am Beruf zu wecken. Ruck regte an, die Deutsche Meisterschaft im Klempnerhandwerk möglichst auf die gemeinsame Erstellung eines dekorativen Dachs oder einer Fassade für einen karitativen Zweck umzuwidmen. Außerdem müssten gute Leistungen von Auszubildenden auch mehr durch Betriebe und Verbände gemeldet werden. Kornhaaß ergänzte, dass es wichtig sei, entsprechende Erfolge auch an regionale Zeitungen zu übermitteln. Wichtig für die Nachwuchsgewinnung und zur Steigerung der Attraktivität des Berufes sind zudem:

  • moderne Maschinen
  • Digitalisierung
  • Social Media
  • Schülerpraktika
  • Bildungsmessen
  • Austausch zwischen Betrieben und Fachlehrern an den Schulen.
  • Eine Wortmeldung aus dem Publikum thematisierte das Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit dem Schwerpunkt Erwerb von Deutsch­kenntnissen (VABO). In entsprechenden VABO-Klassen warten demnach zahlreiche ausbildungswillige Migranten auf eine Ausbildungschance. Dazu passend stellte Ruck die Frage, warum hier beim Klempnertreff keine Auszubildenden anwesend seien. Ferner äußerte er die Bitte, alle Beteiligten des Gewerkes zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen zu lassen. Kornhaaß bemerkte abschließend, dass Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Handwerk dazu beitrügen, die Außenwirkung zu optimieren. „Denn“, denn so Kornhaaß: „Klappern gehört nun einmal zum Klempnerhandwerk.“

    Stefan Menrath

    Bild: Klaus Walter

    Stefan Menrath
    Thomas Huber

    Bild: Klaus Walter

    Thomas Huber
    Hubert Verständig

    Bild: Klaus Walter

    Hubert Verständig
    Josef Wey

    Bild: Klaus Walter

    Josef Wey
    Lisa Brunner

    Bild: Klaus Walter

    Lisa Brunner
    Harry Luick

    Bild: Klaus Walter

    Harry Luick
    Matthias Scheible

    Bild: Klaus Walter

    Matthias Scheible
    Peter Stelzer

    Bild: Klaus Walter

    Peter Stelzer

    Info

    Nachgedacht & angeregt
    In den Pausen bzw. während zahlreicher Kollegengespräche wurde rege diskutiert, wie Auszubildende besser in den Klempnertreff Titisee bzw. in die Baden-Württembergische Klempnerfamilie integriert werden könnten. Auszubildende wirkten schließlich als Multiplikatoren und würden damit für weiteren Nachwuchs in ihrem Gewerk werben! Folgende Ideen wurden immer wieder genannt.

  • Symbolische (niedrige) Teilnahmegebühren für Unterlagen und Tagungsgetränke)
  • Unterbringung der Auszubildenden in der örtlichen Jugendherberge
  • Teilnahme als Anerkennung für gute Leistungen
  • Spezielle Workshopangebote durch Aussteller
  • Spezielle und für Jugendliche interessante Vorträge am Beginn und Ende der beiden Seminartage
  • Jetzt weiterlesen und profitieren.

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