Valentin Schnyder weiß: Zukunftswandel kann nur mit einem erstklassigen Team gelingen – einem Team, das ebenso zukunftsorientiert agiert wie er selbst. Was einst als Ein-Mann-Betrieb begann, hat sich zu einem florierenden Unternehmen mit 40 Mitarbeitenden an vier Standorten, 24 Fahrzeugen und rund 4000 Kunden entwickelt. Diese beeindruckende Expansion ist das Resultat aus kreativen Ideen, motivierten Mitarbeitern und dem kontinuierlichen Streben nach effizienteren Betriebsabläufen und klaren Strukturen. Besonders die Ausbildung genießt bei Schnyder hohe Priorität: Auszubildende werden vom ersten Tag an in den digitalen Alltag eingebunden – das Tablet gehört zum Standardwerkzeug. Auch die Berufsschule setzt auf die Bendex-Software, um Arbeitsprozesse zu rationalisieren. „Wir müssen die Jugend – auch ohne höhere Schulbildung – für den Spenglerberuf begeistern“, sagt Valentin Schnyder. Dieser Einsatz wurde bereits mehrfach honoriert: Die Spenglerei hat dreimal beim Stellenschafferpreis der Region Winterthur einen Preis gewonnen und ist bei Nachwuchsproblemen außen vor.
Digitaler Wandel mit Bedacht
Was macht die Spenglerei Schnyder also anders? Der Schlüssel liegt in der durchgängigen Digitalisierung – von der Angebotserstellung über die Produktionsplanung bis hin zur Logistik und Rechnungsstellung. Schnyder betont: „Wir digitalisieren nicht um der Digitalisierung willen, sondern nur, wenn es Sinn ergibt.“ So wird beispielsweise auf der Baustelle das Aufmaß manchmal weiterhin auf Papier gemacht. „Bei Regen und Schmutz und in Bezug auf die Handlichkeit auf dem Dach ist das Tablet oft unpraktisch“, erklärt er. Die Skizzen werden mit dem Smartphone fotografiert und digital in den Betrieb gesendet. Dort beginnt dann die Umsetzung in die Bendex-Enterprise-Software, die das Herzstück der digitalen Durchgängigkeit darstellt.
Effiziente Arbeitsprozesse
Neben den internen Abläufen profitieren auch Kunden von der digitalen Struktur: Rund 80 Kunden bestellen ihre Biegeteile direkt über Bendex. Die Software bietet dabei Templates an, die vom einfachen Blechteil bis hin zu kompletten Baugruppen reichen. Beim Einzelteil können beispielsweise Maßbereiche eingeschränkt werden oder die Teile lassen sich mit Laschen und Gehrungsschnitten weiter spezifizieren. „Wenn wir in einem Template für eine Kamineinfassung ein einziges Teil verändern, passt sich der Rest automatisch an“, erläutert Lukas Gasser. So werden Fehler minimiert und die Abläufe beschleunigt.
Nach der Spezifikation der Teile mit Maßen, Winkeln, Mengen, Material und Farbe geht es in die automatische Reihenfolgeplanung, die nicht nur die Produktionsschritte steuert, sondern auch die Logistik für den Lkw-Versand plant. In der Werkstatt beginnt alles mit dem Zuschnitt, der meist auf einer Krasser-Spaltanlage erfolgt. Die Bendex-Software sorgt dabei für eine optimale Materialausnutzung. Jedes zugeschnittene Teil erhält ein Etikett mit einer Grafik, den Abmessungen, dem Material und der Dicke des Blechs sowie einer eindeutigen Teilenummer, die sich später im Verlegeplan wiederfindet. „Wir haben uns auf eine Nummer zur eindeutigen Kennzeichnung verständigt. Eine textliche Beschreibung des Biegeteils kann leicht zu Missverständnissen führen“, so Betriebsleiter Benjamin Hutterli.
Präzision bis ins Detail
Der nächste Schritt ist das Stanzen. Auf einer Euromac-Stanzanlage werden die Teile präzise mit Ausklinkungen und Löchern versehen oder auch als konische Zuschnitte bearbeitet. „Unser Ziel ist es, dass die Blechteile einbaufertig auf der Baustelle ankommen. Ein Nachschneiden und Anpassen auf der Baustelle würde nur unnötige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Schnyder. Dabei gibt es jedoch immer Raum für Verbesserungen. So stellte sich heraus, dass die Teilenummer auf dem Etikett zu klein war, um schnell erkannt zu werden. Der Mitarbeiter an der Stanze schreibt die Nummer daher zusätzlich von Hand auf das Blech, bevor es zum Biegen weitergeht.
Hier sind zwei Maschinen an die Bendex-Software angebunden und empfangen ihre Aufträge direkt aus dem Planungsbüro. Ein Jorns-6-m-Doppelbieger und eine RAS Flexi-2-bend, die seit 2022 im Einsatz ist und das Vorgängermodell ersetzt hat. Der Doppelbieger kommt hauptsächlich bei langen Profilen zum Einsatz. Alle mehrseitigen gebogenen Blechteile und dickeren Materialien übernimmt die Flexi-2-bend. Für diese Maschine ist auch eine Office-Software im Einsatz. Diese Software übernimmt von der Bendex-Planungssoftware das zu fertigende Biegeteil auf digitalem Weg. Sie generiert aus der Biegegeometrie automatisch den Biegeablauf inklusive aller Anschlag- und Wangenbewegungen und zeigt auch den Werkzeugaufbau an. Benjamin Hutterli erklärt: „Da die Bendex-Software die Biegeverkürzungen bei der Programmgenerierung berücksichtigt, passt bereits das erste Biegeteil.“
Durch die Vielseitigkeit der Flexi-2-bend lassen sich die Biegeteile mit geschlossenen und offenen Umschlägen wie auch mit Radien versehen, die sich aus Einzelsegmenten zu einer optisch perfekten Rundung aneinanderreihen. Die großen Freiräume schaffen viel Platz auch für ungewöhnliche Biegegeometrien. Bei den segmentierten Werkzeugen stehen bei Schnyder flache Spitzwerkzeuge ebenso zur Verfügung wie segmentierte Geißfußwerkzeuge, die bei Boxen und Kassetten zum Einsatz kommen. Damit die Biegungen bei unterschiedlichen Materialien und Blechdicken immer kerzengerade sind, setzt die Flexi-2-bend ein intelligentes Bombiersystem ein, das die Verformung der Biegewange, hervorgerufen durch die Biegekräfte, automatisch ausgleicht.
Effizienz, Digitalisierung und Zukunftsfähigkeit
Die fertigen Biegeteile werden schließlich in umgekehrter Verlegereihenfolge in Transportkisten verstaut. Der Verlegeplan sorgt dafür, dass der Kranfahrer die Kisten auf dem Metalldach optimal platziert. Klare Vorgaben minimieren Kranstandzeiten, verkürzen Wegezeiten der Mitarbeiter und beschleunigen die Montage. „Ein komplett ausgefalztes Dach schaffen wir oft an einem Tag“, sagt Schnyder stolz.
Bei Schnyder ist die Digitalisierung kein Selbstzweck. Sie dient der ständigen Optimierung der Prozesse. „Wir Spengler haben so viel Know-how und leben unseren Beruf mit so viel Leidenschaft. Es liegt an uns, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um auch die Jugend für diesen Beruf zu begeistern“, betont Schnyder. Jährlich kommen etwa 30 Berufskollegen zu ihm, um sich von seiner zukunftsorientierten Arbeitsweise inspirieren zu lassen. „Der Weg ins Digital ist lang, aber er lohnt sich. Nicht das Ziel macht Freude, sondern der Weg dorthin“, fasst er zusammen.